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Orgelrestaurierung Dreifaltigkeitskirche Trofaiach
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Das altes Orgelwerk im Bieder­meiergehäuse, passend für die obere Empore gemacht.

Die Orgel der Dreifaltigkeitskirche zu Trofaiach hat eine Besonderheit, die man ihrem be­scheidenen Biedermeiergehäuse nicht ansieht: Sie gehört zu den ältesten Orgeln Österreichs. Ältere Orgeln findet man nur noch in der Innsbrucker Hofkirche (Ebert-Orgel 1558-61 und Italienische Holzpfeifenorgel ca. 1580), in Südtirol noch eine ähnlich alte Orgel in Auer (1599/1600, aus St. Pauls), in Bayern eine in Gabelbach (1608, aus Augsburg).​

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Historische Nachricht von 1829.

Allerdings hat unsere Orgel 1829 ein neues Gehäuse bekommen, und bei dieser Gelegenheit wurde auf einem Zettel im Inneren festgehalten, dass das Instrument damals von Mathias Krainz aus Graz versetzt und erneuert wurde, ihr Erbauer aber sei 1595 ein gewisser Hannes Kahnchuber gewesen. Irgendwo muss man also Namen und Datum am alten Gehäuse ge­funden haben, und auch wenn sonst nichts festgehalten wurde (vielleicht war es auch nur das Graffitto eines gelangweilten Balgtreters namens Kirchenhuber), bestätigt die Datierung das Alter, das man von den Orgelteilen aufgrund ihrer Machart vermuten würde.

Querschnitt durch die Orgel: Oben Windlade und Pfeifen des Manu­alwerks, hinten-unten ist das Pedal­werk eingeschoben.

Einblick ins Pfeifenwerk (vor Reinigung) ganz rechts Prospekt­pfeifen, ganz links Pedalpfeifen.

Detail der Prospektpfeifen mit Spuren von (vermutlich) Versil­berung und Farbschicht.

Das bauzeitliche Wellenbrett, zentraler Teil der Spielmechanik.

Kirchenorgeln bestehen bekanntlich aus (1.) Pfeifen für den Klang, (2.) Blasebälgen oder einem Gebläse, (3.) einer hölzernen Windlade, in der Ventile den „Wind“ in die darauf ste­henden Pfeifen steuern, (4.) einer Mechanik, um die Ventile vom Spieler aus zu bedienen, und (5.) einem Gehäuse, das alles schützt und zusammenhält. In Trofaiach sind noch die wichtig­sten Pfeifen, die Windlade und das Wellenbrett der Mechanik aus der Erbauungszeit erhalten. Dazu gibt es im Unterbau noch eine zweite Windlade mit den hölzernen Basspfeifen, die mit der Pedalklaviatur gespielt werden.

Der angebaute Spieltisch, vermut­lich der Grund für den Gehäuseneu­bau

Spieltisch Detail

Einblick in den Unterbau mit Pedalwerk, moderner Windanlage und Register-„Schwertern“

Die Biedermeierzeit war kirchlich durch eine Frömmigkeits-Offensive geprägt, so dürfte der Grund für den Umbau der Orgel der Wunsch nach einem Spieltisch mit Blick zum Altar ge-wesen sein. Um dafür Platz zu gewinnen, musste das Gehäuse an die Wand gerückt werden, aber hier lag schon die Windlade mit den Pedalpfeifen. Um sie im Gehäuse unterzubringen, musste der untere Gehäuseteil größer erneuert werden. Der obere Gehäuseteil war vermutlich schon gestutzt worden, als die alte Empore 1753 für die Gemeinde vergrößert wurde und die Orgel auf die neugeschaffene obere Empore umziehen musste. Im Ergebnis wurde das Gehäu-se komplett erneuert, handwerklich solid, aber in der Gestaltung höchst schlicht. Auch für eine klangliche Modernisierung, z.B. den Einbau von Flöten und Streicher-Registern war offensichtlich kein Geld da. Die Spielmechanik wurde an den neuen Spieltisch angeschlossen und die Registermechanik (Schaltung der Pfeifenreihen) komplett erneuert, aber im Kern ist hier ein einzigartiger Bestand aus der Zeit vor dem 30jährigen Krieg erhalten geblieben.

Risse in der Windlade (oben), schon im vorletzten Jahrhundert mit Papier überklebt.

Kleine Metallpfeifen - selten so erhalten - mit deformierten Mündungen.

Hölzerne Flötenpfeifen: Rote Farbe als Wurmschutz auf Fichtenholz­pfeifen, und mit Papier überklebte undichte Fugen.

Verstaubte Mechanikteile (1829).

Rußstaub und Holzwurmhäufchen im Pedalwindkasten.

Freilich verschont der Zahn der Zeit auch Orgeln nicht. Leimfugen in der Windlade schwin-den auf, Eisenteile rosten, Verschmutzte Mechanikteile reiben sich aus, dichtende Leder ver-spröden und auch der Holzwurm bleibt nicht untätig in Windlade, Holzpfeifen und Mechanik. Dazu kommen unsachgemäße Reparaturen und Provisorien, Risse werden provisorisch über-klebt und falscher Wind mittels Bohrlöchern abgeleitet; bei unsachgemäßen Stimmarbeiten an den Pfeifen werden die Aufschnitte durch Schläge mit dem Stimmhorn gestaucht und Mün-dungen verdrückt, so dass sie sich am Ende überhaupt nicht mehr stimmen lassen. Die letzte größere Instandsetzung liegt ein halbes Jahrhundert zurück und war nicht gerade von Respekt vor dem historischen Bestand geprägt. Eine Instandsetzung der Orgel ist daher dringend notwendig, wenn sie noch länger erhalten bleiben soll. Dabei werden auch unsach-gemäße Ersatzteile aus dem 20. Jahrhundert beseitigt, z. B. weil beschädigte Pfeifen nicht repariert, sondern einfach durch mehr oder weniger passenden Magazinbestand ersetzt wur-den; auch die modernisierte Balganlage ist durch eine angemessene Anlage zu erneuern. Die Arbeiten werden vom Denkmalamt beaufsichtigt und von der Firma Kuhn (Männedorf / Zürich) ausgeführt, einem der führenden Betriebe für Orgelrestaurierungen (zu ihren bekanntesten Arbeiten gehören die Barockorgeln von Klosterneuburg und der Wiener Franziskanerkirche). Der historische Bestand wird mit Fotos, Plänen und Beschreibungen festgehalten und veröffentlicht, so dass man das Instrument mit anderen alten Instrumenten vergleichen oder für Nachbauten zum Vorbild nehmen kann. Die Maßnahme wird von ..... gefördert.Es ist zu hoffen, dass das Instrument nach gelungener Restaurierung zu einem Mittelpunkt für die Aufführung alter Musik wird und so dazu beiträgt, die Dreifaltigkeitskirche auch weiter-hin mit Leben zu erfüllen.

 

R.B.

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